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Baulexikon

Versickerungsfähiges Pflaster

Versickerungsfähiges Pflaster lässt Niederschlagswasser durch dafür vorgesehene Fugen, Öffnungen oder poröse Steine in den darunterliegenden Aufbau gelangen. Ob das Wasser anschließend versickern kann, hängt auch von Bettung, Tragschichten und Untergrund ab. Der Pflasterstein allein bestimmt die Leistung der gesamten Fläche nicht.

Eine gepflasterte Zufahrt muss nicht vollständig wasserundurchlässig sein. Bei versickerungsfähigen Systemen gelangt Niederschlag durch die Oberfläche nach unten. Das kann die Ableitung über die Fläche unterstützen. Entscheidend ist jedoch, was danach passiert: Unter einem durchlässigen Pflaster kann weiterhin ein wenig durchlässiger Boden liegen.

Es gibt mehrere Wege durch die Oberfläche

Bei einigen Systemen gelangt Wasser vor allem durch dafür vorgesehene Fugen oder Öffnungen. Andere nutzen die Porenstruktur der Steine. Ein konkretes Beispiel für den ersten Weg ist La Tierra-Aqua von KANN: Der Hersteller beschreibt seitlich ausgebildete Sickerfugen. Deren konkrete Gestaltung gehört zum jeweiligen Produkt.

Die Fugenfüllung muss zur vorgesehenen Funktion passen. Eine wasserdurchlässig geplante Oberfläche kann ihre Aufgabe nicht erfüllen, wenn sie anschließend mit einem ungeeigneten dichten Material geschlossen wird. Frage deshalb beim Angebot nach dem vollständigen System und nicht nur nach Farbe, Format und Preis der Steine.

Auch die spätere Nutzung zählt. Eine Zufahrt mit Fahrzeugbelastung stellt andere Anforderungen als ein reiner Fußweg. Die Pflasterfläche muss die gewünschte Nutzung tragen und zugleich den vorgesehenen Wasserweg ermöglichen. Beide Aufgaben sind miteinander abzustimmen.

Der Wasserweg endet nicht unter dem Stein

Zum Aufbau gehören Bettung und Tragschichten sowie der darunterliegende Boden. Das SLG-Merkblatt für versickerungsfähige Pflasterbefestigungen aus Beton, Ausgabe 2020, betrachtet deshalb die gesamte Konstruktion. Ein gut durchlässiger Stein allein ist kein Nachweis, dass das Wasser durch sämtliche Schichten weitergelangen kann.

Ein wenig durchlässiger Untergrund kann den Wasserweg begrenzen, auch wenn die Fugen das Wasser zunächst aufnehmen. Im Aufbau kann sich dann Wasser sammeln. Fällt Regen schneller an, als er weitergeleitet oder vorübergehend aufgenommen werden kann, bleibt ein Überschuss. Deshalb wird bereits bei der Planung festgelegt, wohin dieses Wasser gelangen soll, ohne Hauszugänge oder andere empfindliche Bereiche zu gefährden.

Die Lage neben dem Haus gehört ebenfalls in diese Betrachtung. Wasser soll nicht unbeabsichtigt zu gefährdeten Bauteilen oder in eine ungünstige Geländesenke geführt werden. Pflasterhöhe, Gefälle und angrenzende Flächen werden deshalb gemeinsam mit dem Entwässerungskonzept geplant.

Mengenbeispiel: Ein Liter pro Quadratmeter summiert sich

Eine Familie plant eine 50 Quadratmeter große Zufahrt. Für eine reine Mengenrechnung nehmen wir einen Niederschlag von 20 Litern je Quadratmeter an. Auf die Fläche fallen dann 50 × 20 = 1.000 Liter, also ein Kubikmeter Wasser.

Vergleichen wir nun zwei frei angenommene Regendauern: Fallen diese 1.000 Liter innerhalb von 10 Minuten, sind das im Mittel 100 Liter pro Minute. Verteilt sich dieselbe Menge auf eine Stunde, ergeben sich im Mittel rund 16,7 Liter pro Minute. Die Gesamtmenge ist gleich, der durchschnittliche Zufluss unterscheidet sich um den Faktor sechs.

Damit wird verständlich, warum eine Volumenangabe allein noch keine ausreichende Versickerungsleistung belegt. Entscheidend ist auch, wie schnell Wasser ankommt und wie schnell es im tatsächlichen Aufbau weitergelangen kann. Die Rechnung verwendet gleichmäßig verteilten Modellregen; ein echter Regenverlauf kann davon abweichen.

Im Beispiel fragt die Familie als Nächstes, ob zusätzlich Wasser vom Dach oder von einem Nachbarbereich auf die Zufahrt geleitet wird. Wäre das der Fall, reichten die 50 Quadratmeter als alleinige Einzugsfläche nicht aus. Danach werden Boden, Aufbau und der vorgesehene Umgang mit Überschusswasser fachlich abgestimmt.

Für den tatsächlichen Nachweis werden standortbezogene Niederschlagsdaten und die Eigenschaften der ganzen Fläche herangezogen. Die angenommenen Mengen und Dauern dienen nur dazu, Volumen und Zufluss auseinanderzuhalten.

Pflege erhält die vorgesehenen Wasserwege

Feine mineralische oder organische Einträge können Poren und Sickerfugen zusetzen. Darauf weist das SLG-Merkblatt auch bei der Erhaltung hin. Die gewählte Fläche braucht deshalb eine zum System passende Pflege; „versickerungsfähig“ bedeutet nicht wartungsfrei.

Besprich mit dem ausführenden Betrieb, wie Laub und Schmutz entfernt werden und wie bei ausgetragenem Fugenmaterial vorzugehen ist. Eine Reinigungsmethode darf die benötigte Füllung nicht unbemerkt dauerhaft entfernen. Auch Bauarbeiten im Garten sollten die fertige Fläche nicht unnötig mit Feinmaterial belasten.

Vor der Beauftragung klären

  • Erfolgt die Wasseraufnahme über Fugen, Öffnungen oder den Stein?
  • Sind Fugenfüllung, Bettung und Tragschichten darauf abgestimmt?
  • Wie wurde die Eignung des Untergrunds beurteilt?
  • Welche Flächen liefern Wasser zu, und wohin gelangt ein Überschuss?
  • Welche Belastung und Pflege sind für das konkrete System vorgesehen?

Erst diese Angaben beschreiben eine funktionierende Flächenbefestigung. Die Bezeichnung des Steins allein entscheidet weder über die Entwässerung des Grundstücks noch über örtliche Gebühren oder behördliche Anforderungen.

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